seit 2014

Erinnern Heute

Projekt mit Studierenden der HSD



Projekt mit Studierenden der Hochschule Düsseldorf, Überlebenden und Angehörigen der Deportationen vom Düsseldorfer Schlachthof. 

 

Als Dozent an der Hochschule Düsseldorf und im Rahmen der privaten Familien-Recherche zur "Fritz Kann", der am 22. April 1941 von Düsseldorf nach Izbica und damit in den sicheren Tod deportiert wurde, dokumentierte ich gemeinsam mit Studierenden der HSD Gespräche mit Überlebenden mit der Kamera, die in der permanenten Ausstellung "Erinnerungs- und Lernort" der Hochschule Düsseldorf als Videos ausgestellt sind. 

 

Die Interviews mit Frau Edith Bader-Devries und Ilse Rübsteck entstanden in der Mitarbeit von Alexandra Yudina und Stefan Mühlhausen und durch die Vermittlung von Dr. Joachim Schröder und Frau Adelheit Schmitz.

 

Das Projekt "Suche nach Fritz Kann" führe ich weiter. 

 

Geplant ist ein Dokumentarfilm über diese private Spurensuche in der eigenen Familiengeschichte und die Suchen anderer Beteiligter, die sich am ehemaligen Bahnhof Derendorf kreuzen.

 

 

LINK:
http://old.fh-duesseldorf.de/a_fh/g_neubau/c_erinnerungsort

 

PDF:

http://old.fh-duesseldorf.de/a_fh/g_neubau/c_erinnerungsort/ErinnerungsortWeb.pdf

 

TEXT ZUR AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG

 

Der  Erinnerungsort Alter Schlachthof auf dem neuen Campus der Hochschule Düsseldorf ist am 18. Februar 2016 vor rund 230 geladenen Gästen feierlich eröffnet worden: „Für die Vergangenheit haben wir keine Schuld, aber für den Umgang damit haben wir Verantwortung. Wo sind die Lehren aus der Vergangenheit für die Zukunft besser aufgehoben als an einer Hochschule?“, betonte NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze in ihrer Rede zur offiziellen Eröffnung. Mit dem neuen Campus Derendorf bezieht die Hochschule Düsseldorf einen historischen Ort. Nur noch die alte Pferdeschlachthalle und die Markthalle für Großvieh erinnern an die frühere Funktion des Geländes, an den städtischen Schlachthof. Die ehemalige Viehhalle beherbergt nun die Campus IT und die Hochschulbibliothek – beides denkmalgeschützte Orte des Wissens. Die Hochschule hat die Verantwortung für diesen historischen Ort übernommen. Die Verbrechen, die in den Jahren 1941 bis 1944 in diesen Räumlichkeiten verübt wurden, dokumentiert nun der Erinnerungsort Alter Schlachthof.  
 
 „Es war nur eine einzige Nacht, aber es kam mir unendlich lange vor.“ 
 
 

Fast 6.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus dem ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf mussten sich hier zu insgesamt sieben Deportationen einfinden. Sie wurden registriert, durchsucht und ausgeraubt und mussten eine Nacht in der Großviehhalle verbringen. Am nächsten Morgen wurden sie vom nahe gelegenen Derendorfer Güterbahnhof in Ghettos im besetzten Osteuropa verschleppt. Die Ghettos waren oftmals nur Zwischenstationen auf dem Weg in weitere Konzentrations- und Vernichtungslager. Nur wenige überlebten die Shoah. Eine von ihnen ist Edith Bader-Devries. Bewegend schilderte die Zeitzeugin die Nacht der Deportation: „Es war nur eine einzige Nacht, aber es kam mir unendlich lange vor.“  
 
 Erinnerungen an die Zeit „in der die Menschen plötzlich einfach einen gelben Stern bekamen und tragen mussten“ wurden auch bei Dr. Dr. h.c. Burkhard Hirsch lebendig. Der Hochschulratsvorsitzende hat sich zusammen mit dem AStA und der Hochschulleitung besonders für den Erhalt und die Öffnung des Erinnerungsortes eingesetzt. „Ich sehe diese Entwicklung noch genau vor mir, und sie zeigt, dass es sich bei dieser Erinnerung nicht um schwarzes Mittelalter handelt, sondern um die Gegenwart. Und die Gegenwart ist wiederholbar. Daher ist es so wichtig, diese zu zeigen“, hob er hervor.
 
 

Die Ausstellung erinnert an die Menschen, die von hier deportiert und ermordet wurden. Das grausame Schicksal der Familie Cohen zeichnete Bürgermeister Friedrich Conzen in Anlehnung an die Ausstellung eindrücklich und ausführlich in seiner Rede nach. „Das Beispiel dieser jüdischen Familie aus Düsseldorf zeigt uns, dass der Holocaust kein abstraktes Verbrechen war, dass sich irgendwann irgendwo abgespielt hat. Daher ist es  wichtig, diese Orte lebendig zu halten“, mahnte Conzen. Ähnliche Worte für die Entwicklung des Erinnerungsortes auf dem Campus Derendorf fand auch Dr. Oded Horowitz: „Viele Orte des Grauens hier kennen wir kaum. Sie sind aus dem Stadtbild und aus den Erinnerungen verschwunden. Die Eröffnung dieses Ortes ist der genaue Gegenentwurf dazu“, lobte der  Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden Nordrhein, die von Beginn an das Projekt des Erinnerungsortes begleitet und unterstützt haben. Der Erinnerungsort dokumentiert, wie es dazu kam und thematisiert auch die Nachwirkungen der NS-Herrschaft in der bundesrepublikanischen Gesellschaft. 


 „Aber der Blick richtet sich nicht nur in die Vergangenheit. Mehr denn je werden wir heute mit Antisemitismus, Rassismus und anderen Formen der Ausgrenzung konfrontiert. Im Rahmen eines nachhaltigen Informations- und Bildungskonzeptes werden wir auch diese aktuellen Probleme in Workshops mit Jugendlichen und Studierenden, bei Tagungen oder Vortragsreihen thematisieren. Wir blicken auch in die Zukunft und öffnen unsere Hochschule für junge Menschen und die breite Öffentlichkeit“, sagte die Präsidentin der HSD, Prof. Dr. Brigitte Grass.
 
 Das inhaltliche Konzept und die Gesamtkoordination hat der Präsidiumsbeauftragte für den Erinnerungsort Dr. Joachim Schröder gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Forschungsschwerpunktes Rechtsextremismus und Neonazismus (FORENA) unter Leitung von Prof. Dr. Fabian Virchow entwickelt und gestalterisch mit dem Exhibition Design Institute (edi) am Fachbereich Design umgesetzt.
 
 

Abgerundet und eingebettet wurde die feierliche Eröffnung durch eine virtuelle Installation zum Alten Schlachthof von Prof. Dr. Jens Herder mit Studierenden und musikalischen Einlagen durch die Robert Schumann Hochschule. 

 

Pressemeldungen zur Eröffnungsveranstaltung finden Sie unter: http://www.erinnerungsort-duesseldorf.de/presseoverview 
 
 


 Allgemeine Eröffnung des Erinnerungsortes am 29. Februar 2016

 

Zeitgleich mit der Bibliothek der Hochschule Düsseldorf öffnet auch der Erinnerungsort Alter Schlachthof seine Pforten. An diesem Tag begrüßen wir die Studierenden und das interessierte Publikum mit einem besonderen Programm: von 15.00 – 19.00 Uhr werden jeweils zur vollen Stunde Führungen durch den Erinnerungsort angeboten. Neben der Dauerausstellung und den Steintrögen kann auch das „Gedächtnis auf Rädern“ besichtigt werden, das mobile Straßenmuseum der Künstlerin Ulrike Oeter. Anmeldungen sind nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.

 

Fortan gelten die Öffnungszeiten der Hochschulbibliothek:
 
 

Mo-Fr: 8.00 – 20.00 Uhr
 Sa: 11.00-17-00 Uhr 

So./Feiertags: geschlossen

 

Öffentliche Führung (ab 5.4.2016!): immer dienstags, 18.00 - 19.00 Uhr